Wahrer Kraftakt

So etwas sieht man nicht alle Tage: Wie schwerelos hing der grüne Eisenbahnwaggon gut gesichert rund einen Meter über dem Boden, bis er letztendlich dank Mann- und Maschineneinsatz sachte auf einem Spezialtieflader abgesetzt wurde. Das Ganze passierte zweimal. Dann waren die beiden Waggons, die bis letztes Jahr noch beim Biergarten „Alter Bahnhof“ im Einsatz waren, Geschichte.

Nun ist der Bereich in der Dammstraße gegenüber dem Alten Messplatz und direkt neben dem „ALTER“-Gelände wieder frei und wartet darauf, genutzt zu werden. Rund 18 Tonnen wiegen die Kolosse aus den 50er Jahren. Etwa 13,5 Meter sind sie lang und vier Meter hoch. Aus diesem Grund mussten das Technische Hilfswerk (THW), die Berufsfeuerwehr und ein eigens dafür engagiertes Transportunternehmen ebenfalls mit schwerem Gerät anrücken. Unter anderem waren zwei 60-Tonnen-Kräne, jeweils einer vom THW und einer von der Feuerwehr, im Einsatz, die genug Kraft haben, die Waggons anzuheben. Diese standen seit der Insolvenz des Biergartenbetreibers leer und verwahrlosten. Eigentümerin des Grundstücks, auf dem die Bahnanhänger bis Freitag, 9. August, standen, ist die Stadt Mannheim. Und die entschied sich dafür, die ehemaligen Personenwagen mit der Bezeichnung B3Y abzutransportieren. Das klappte gut, nicht zuletzt dank des perfekten Zusammenspiels der eingesetzten Spezialisten. Seitens der Brandbekämpfer und des THW waren acht Leute vor Ort, die Spedition rückte mit vier Mann an. Die Aktion dauerte ab 14 Uhr rund sechs Stunden, wobei das Verladen der Waggons je nur rund 25 Minuten in Anspruch nahm. Die restliche Zeit war für die Vorbereitungen des Abtransports notwendig.

Während ein Waggon schon im Juli auseinander genommen und entsorgt wurde – er war schon so marode und durch Vandalismus zerstört, das eine Rettung nicht mehr in Frage kam –, fanden die beiden anderen Waggons ein neues Zuhause auf dem Gelände des Vereins „Historische Eisenbahn Mannheim“ in Friedrichsfeld. Darüber freut sich insbesondere der Vereinsvorsitzende Gernot Dackermann. „Das ist kein alltägliches Geschenk für einen Verein“, erklärte er. Die „Historische Eisenbahn“ hat sich mit einem Obolus am Abtransport beteiligt. Die Waggons selbst musste der Verein nicht bezahlen. Das Abladen auf dem Vereinsgelände habe gut geklappt, so der Vereinschef weiter. „Wir haben dafür auf unserem Gelände extra Platz auf den Gleisen gemacht.“ Vorerst werden die beiden grünen Riesen laut Gernot Dackermann als Ersatzteillager und Ersatzteilspender genutzt. Zuallererst aber gründlich gereinigt. Wer möchte, kann sie übrigens am 3. Oktober wieder besuchen und in neuem Glanz betrachten. Denn da hat der Verein einen Tag der offenen Tür.

Abtransport am Ende des Tages (Foto: Thomas Tröster)

Doch was passiert nun mit der freigeräumten Fläche in der Dammstraße? Das Gelände wird erst einmal so bearbeitet, dass sich niemand bei Betreten verletzen kann. „Und auf jeden Fall soll es wiederbelebt werden“, so Jennifer Sebök von der MWSP, die unter anderem bei der Lokalen Stadterneuerung (LOS) mitarbeitet. Denn das Gelände sei bestens für eine Zwischennutzung geeignet. Wie genau es genutzt wird, ist noch nicht sicher. Doch erste Konzepte und Ideen gebe es bereits, sagte Jennifer Sebök. Deren Inhalte und Finanzierungsmöglichkeiten werden derzeit geprüft

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